Gedichte

Fledermäuse

es waren einmal zwei Fledermäuse
die tanzten um das
Turmuhrgehäuse

es war des abends so gegen acht
und langsam dämmerte es der Nacht

ich fragte mich
warum tanzen sie da
ist vielleicht grad Sylvester
im Fledermausjahr?

dann war mir
als könnt ich sie lachen hörn
und verstand ihre Stimmen
das kann ich beschwörn

du fragst mich
was haben
die zwei nur gesagt

sie haben sich über mich lustig gemacht
weil ich saß mit dem Handy
und es war schon nach acht

ich saß an der Kirche
zum Pokemon fangen
das kannten die Fledermäuse nicht
ich wollte ihnen das Spiel erklären
da sind sie geflüchtet vorm Licht

und tanzten weiter ums Turmuhrgehäuse
ich bin dann nach Hause gegangen
bei ihrem Gekicher
da kam ich mir blöd vor
sie haben vor Lachen geschielt

das machen sie immer
sehn sie eine Menschin
die im Dunkeln noch Pokemon spielt

von Ariane Timm (Anabelle Fury)

Text

10 Regeln

Besuch im Altenheim
nichts für schwache Nerven

erste Regel
wer alt ist, der hat immer Recht,
auch wenn er im Unrecht ist, und ungerecht
auch wenn er andere Dinge sieht, als du
für ihn sind sie echt
also schalte um, sonst kannst du dich nicht unterhalten

zweite Regel
versuche nicht alles zu verstehen
und habe trotzdem Verständnis

dritte Regel
den Pflegern gebührt allerhöchster Respekt
du gibst Oma Apfelmus und freust dich mit ihr
sie sind auch noch da, wenn deine gute Absicht
buchstäblich nach hinten losgeht
wer hier arbeitet
hat unsere Achtung und Dankbarkeit verdient

vierte Regel
frage dich nicht,
wie du mal wirst
wer will das schon wissen

fünfte Regel
bleibe höflich, auch wenn es schwerfällt
aufregen bringt hier gar nichts

sechste Regel
vergiss nicht, das die Zeit hier anders läuft
manchmal wie Sirup
unendlich zäh

siebte Regel
nimm dir also Zeit
es gibt immer tausend andere Dinge zu tun
lerne, deine Ungeduld zu Hause zu lassen

achte Regel
zuhören
immer und immer wieder

neunte Regel
niemanden auslachen

zehnte Regel
trotz allem den Humor nicht verlieren
ohne diese Regel
nützen dir die anderen neun gar nichts
in Traurigkeit zu versinken
hilft hier niemandem
und du bleibst irgendwann weg

von Ariane Timm ( Anabelle Fury)

Gedichte

Bauer

wenn du einst ein Bauer warst
dann wurdest du geachtet
und im Land mit Wohlwollen
und Freundlichkeit betrachtet

damals war die Zuckerrübe
Königin der Pflanzen
heute sieht man nur im Wind
die Maisfahnen noch tanzen

dein Hof hat reichlich Geld verdient
manch Mensch Arbeit gegeben
heut bist du froh
wenn deine Frau
noch nebenbei
den Lohn beiträgt zum Leben

eine ganze Familie wurde gebraucht
um den Hof am Laufen zu halten
heut sitzt einer am Schreibtisch
die halbe Zeit
weil wir uns zu Tode verwalten

jetzt hast du als Bauer
kein Ansehen mehr
die Meinung im Lande
macht’s Herz dir schwer

der Wolf wird schöner geredet als ihr
und vom Schächten verliert keiner ein Wort
was ist dieses Land
in heutiger Zeit
für ein zwiegespaltener Ort

Landwirtschaft heißt Industrie
das hat sich gewandelt
die Politik gab euch das vor
und ihr habt gehandelt

viele haben aufgegeben
zogen sich zurück
und finden heute
arbeitstechnisch
anderswo ihr Glück

manches ist sicher besser geworden
die Natur bekommt mehr Gewicht
auch ich war ein Bauer
und musste aufgeben
den Schritt bereue ich
nicht

( nur manchmal,
wenn ich nachts aufwache
und mich frage
was ich im Leben so mache
dann seh ich mich wieder ein Bauer sein
zum Glück schlaf ich meistens
schnell wieder ein)

von Ariane Timm ( Anabelle Fury)